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„Recht auf Bildung - und mindestens den Hauptschulabschluss!“ Aktuelle Initiativen und Maßnahmen für Schulverweigerer und junge Menschen ohne Schulabschluss auf Bundesebene Von Kerstin Kruse, Referentin für Jugendsozialarbeit im PARITÄTISCHEN Gesamtverband Im Koalitionsvertrag vereinbarten CDU/CSU und SPD, dass die Bundesregierung dafür Sorge tragen will, dass jeder Jugendliche und jede Jugendliche in Zukunft qualifiziert, gebildet und ausgebildet wird. Dazu gehören die schulische Bildung als Voraussetzung für die Berufsausbildung, der Einstieg in die Berufsausbildung sowie die Perspektive, nach einer qualifizierten Berufsausbildung eine Beschäftigung zu bekommen. Um dieses zukunftsweisende Ziel zu erreichen und um die verschiedenen Strategien der Bundesministerien aufeinander und mit den Ländern abzustimmen, legte die Bundesregierung unter Federführung der Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) im Januar 2008 eine nationale Qualifizierungsinitiative mit dem Titel „Aufstieg durch Bildung“ vor. Die Initiative soll die Maßnahmen in Bereichen der Bildung, Ausbildung und dem Übergang oder Widereinstieg in den Arbeitsmarkt bündeln und befördern. Schwerpunkte sind hierbei die Verbesserung der frühkindlichen Bildung und die Umsetzung des Konzeptes „Jugend Ausbildung und Arbeit“, das die Chancen besonders förderbedürftiger Jugendlicher sowie Altbewerberinnen und Altbewerber auf Ausbildungsplätze erhöhen soll. „Null Bock auf Schule!“ – Schulmüde Jugendliche und Schulabbrecher/innen Ein Ziel der Qualifizierungsinitiative ist es, dass jeder Bildungsweg zu einem Abschluss führen und die Zahl der Schulabbrecher/innen deutlich reduziert werden soll. Lehrkräfte und Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe sind sich weitgehend einig, dass oftmals schon in der Grundschule zu erkennen ist, welche Kinder Probleme in der Schule haben werden. Erlebnisse des Misserfolgs und der Übergang von der Grundschule in weiterführende Schulen verstärken bereits vorhandene Unsicherheiten. Besonders kritisch für das Gelingen des Schulbesuchs und Schulabschlusses ist allerdings die Phase der letzten zwei Jahre des Pflichtschulbesuchs, insbesondere in der Hauptschule. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 10 Prozent der Schüler/innen die Schule über Wochen und teilweise über Monate hinweg schwänzen. Obwohl seit dem Jahr 2000 der Anteil der Schulabbrecher/innen zurückgeht, verließen von 12,4 Millionen Schüler/innen im Schuljahr 2005/2006 75.900 Jungen und Mädchen die Schule ohne Abschluss – das waren 7,8 Prozent aller Schulabgänger/innen. Dabei sind zwei Aspekte besonders auffällig: Junge Männer machten knapp zwei Drittel der Abbrecher aus, und Jugendliche mit Migrationshintergrund waren besonders häufig unter den Schulabbrechern und Schulabbrecherinnen zu finden. Jeder sechste Schüler/jede sechste Schülerin mit Migrationshintergrund verließ im Jahr 2006 die Schule ohne Abschluss (jeder vierzehnte war ohne Migrationshintergrund). Förder- und Unterstützungsangebote für Schulverweigerer/innen, die im Vorfeld der ersten Schwelle, also zum Ende der Pflichtschulzeit, ansetzen, werden derzeit sowohl von der Bundesregierung als auch von Landesregierungen umgesetzt. Beispielhaft sei hier das Bundesmodellprogramm des BMFSFJ „Schulverweigerung – die 2. Chance“ genannt. Seit September 2006 setzen 73 Träger im gesamten Bundesgebiet lokale Projekte um, die schulverweigernde Schüler/innen dabei unterstützen, wieder regelmäßig die Schule zu besuchen und so ihre Chancen auf einen Schulabschluss und damit auch auf einen Ausbildungsplatz zu erhöhen. Im ersten Jahr der Umsetzung des Programms wurden insgesamt 1.800 Jugendliche erreicht. Noch in diesem Jahr soll das Programm auf ca. 200 Projekte aufgestockt werden. Angesichts der hohen Zahl von Schüler/innen die die Schule schwänzen, bzw. ohne Abschluss verlassen, kann durch dieses Bundesprogramm keine Trendwende erreicht werden. Flächendeckende Maßnahmen durch die Bundesländer müssen folgen, wie z.B. derzeit durch Sachsen-Anhalt geplant. „Praxisbezug gegen Lernfrust!“ – Mit praxisorientiertem Lernen zum Schulabschluss Praxisorientierte Formen der Beschulung von Jugendlichen, die besondere Unterstützung benötigen bzw. trotz Schulpflicht als nicht (mehr) beschulbar gelten, gibt es mittlerweile in nahezu jedem Bundesland. Die Bandbreite reicht von Produktionsschulen, also arbeitsorientierte Bildungseinrichtungen, die insbesondere Jungendliche mit erhöhtem Unterstützungsbedarf auf den Beruf vorbereiten bis hin zu praxisorientiertem Lernen in der Schule wie beispielsweise in den bayrischen Praxisklassen. Eine Maßnahme der Qualifizierungsinitiative „Aufstieg durch Bildung“ ist es, den Unterricht in Praxisklassen deutschlandweit auszubauen. Hierfür soll die Bundesagentur für Arbeit für ausgewählte Maßnahmen zukünftig die Hälfte der Finanzierung bereit stellen. „Chance auf den Hauptschulabschluss für jeden Jugendlichen!“ – Das Recht auf mindestens einen Hauptschulabschluss Es gibt Angebote die nach Ende der Schulpflicht den Wiedereinstieg
in systematisches Lernen und das Nachholen des Hauptschulabschlusses
ermöglichen. Diese Angebote werden in erster Linie über den
Haushalt der Bundesagentur für Arbeit und über Länderprogramme
finanziert.
Initiativen, Maßnahmen und Programme:
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