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Periskop 2008 / 01
Georg Jäntgen |
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Ohne Ausbildung keine Chance! Ohne Schulabschluss keine
Ausbildung
Georg Jäntgen, Key Account Manager Firmenkunden und Leiter des
Büros für Fachkräftelösungen bei der DEKRA Akademie
GmbH
So kurz, klar und eindeutig kann die Frage beantwortet werden, welche
Chancen einem Jugendlichen ohne Schulabschluss in unserer Gesellschaft
offen stehen. Ihnen bleibt übrig, in die Hartz-IV-Tonne zu kriechen
und dort zu philosophieren. Immerhin sind nach einer neusten Weltumfrage
die Meinungsforscher der „The Gallup Organization“ zu der
Erkenntnis gekommen, dass die Menschen in solch armen Ländern wie
Bangladesch zu den zufriedensten auf der ganzen Welt zählen. Leider
aber wird in unserem Lande in der Hartz-IV-Tonne nicht philosophiert.
Ausnahmen bestätigen die Regel. Damit wäre das Thema eigentlich
beendet, wenn da nicht das Problem wäre, dass für die Unternehmen
das Problem des ausreichenden qualifizierten Nachwuchses immer drängender
wird. Der Fachkräftemangel ist in vielen Branchen jetzt schon angekommen.
„Auf die Schulnoten verlassen wir uns schon lange nicht mehr.
Wenn wir Auszubildende auswählen, machen wir erst einmal einen
Mathematik-, Physik- und Deutschtest. Denn die Schulnoten sind allzu
oft geschönt,“ sagt mir, stellvertretend für viele andere,
die Personalchefin eines Maschinenbauers bei Magdeburg. Vorher schaue
Sie sich die Kandidaten erstmal an. „Schon alleine wie sie durch
die Tür kommen und mich begrüßen, reicht für mich
aus, um beurteilen zu können, ob das jemand ist, mit dem man vielleicht
arbeiten kann.“ Merkt auf! Da liegt auch eine Chance. Doch leider!
Der Schulabschluss muss bestanden sein. Und auch noch leider! Schlechte
Noten in der Schule und schlechtes Benehmen gehen bei vielen Jugendlichen
Hand in Hand. „Wir stellen aber auch fest, dass so mancher, der
schlecht in Mathe ist, eigentlich das Zeug dazu hätte, bei uns
eine Ausbildung anzufangen.“ Erst letzte Woche kam der Personalvorstand
des größten deutschen Unternehmens für ingenieurtechnische
Dienstleistungen für die Automobil- und Luftfahrtindustrie zu diesem
Schluss. „Aber wie sollen wir mit diesem Problem umgehen? Sollen
wir den Reparaturbetrieb für diese Gesellschaft spielen? Wir stehen
im internationalen Wettbewerb.“ Und wir haben generell strategisch
die Möglichkeit, viele unserer Tätigkeiten ins Ausland zu
verlagern, wo uns bildungshungrige Menschen erwarten, hätte er
noch hinzufügen können. Es wäre ja schön gewesen,
ihm antworten zu können, dass es dort Möglichkeiten im Rahmen
der Berufsvorbereitung gibt. Aber da fiel mir gleich die Ausschreibungspraxis
der Bundesagentur für Arbeit ein, die es nicht ermöglicht,
konkret dieses Unternehmen und konkret diesen ins Auge gefassten Jugendlichen
zu unterstützen. „Und auf welcher Basis sollen wir denn Kandidaten
auswählen, wenn nicht aufgrund der Leistungen?“ An diesem
Punkt könnte dann das große Buch der eignungsdiagnostischen
Verfahren aufgeschlagen werden. Aber bitte nicht den Berufsinteressentest
und auch nicht den IQ-Test. Leider sind wir hier ja wieder beim Jugendlichen,
der aufgrund seiner bisherigen Entwicklung eigentlich nur bei der Friseuse
oder beim KfZ-Mechaniker landen kann, und beim IQ-Test setzen wir einfach
nur die Versagensängste aus der Vergangenheit fort. Was uns interessieren
muss, sind die charakterlichen Eigenschaften, die erwarten lassen, dass
der Kandidat erfolgreich – d.h. mit Freude – in seiner zukünftigen
beruflichen Position arbeiten wird. Im übrigen ist der Fachkräftemangel
nicht nur in den genannten Branchen angekommen. Weil sozusagen die Decke
des Arbeitsangebots generell kleiner wird, zeigt sich dieses Phänomen
bei relativ einfachen Tätigkeiten auch in der Logistik. Dort besteht
natürlich sowieso ein Problem in den kaufmännischen und koordinierenden
Funktionen, denn die Globalisierung lässt grüßen. Doch
auch in den gewerblich-technischen Funktionen, wie z.B. generell beim
Kraftfahrermangel oder selbst regional unterschiedlich bei Lagerarbeitern,
macht sich ein Mangel deutlich. Dabei muss man hier nur Addieren oder
Multiplizieren können. Aber man muss zuverlässig, vertrauenswürdig,
generell interessiert an der Arbeit und freundlich zu den Mitmenschen
sein. Und deshalb werden dort generell auch nur gerne Menschen genommen,
die erfolgreich eine Ausbildung – egal welche – absolviert
haben. Denn daran lässt sich erkennen, ob denn wenigstens die Grundtugenden
minimal ausgeprägt sind. Und jetzt sollte wahrscheinlich die Diskussion
um die Instrumente und Methoden geführt werden, mit denen man gescheiterte
Jugendliche wieder aufrichten kann oder erst gar nicht Jugendliche scheitern
lässt. Zu nennen wären praxisnaher Unterricht (Physik am Auto
als Beispiel in www.autoberufe.de), Ganztagsschule, Stärken stärken
und Schwächen managen (nicht bekämpfen), Einstiegsqualifizierung
für Jugendliche, stärkere Betriebsorientierung bei der Berufsvorbereitung
usw. Doch all das führt nicht zum Ziel, wenn der Jugendliche nicht
will.