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Interview mit Oswald Menninger
Periskop: Herr Menninger: Weiterhin habe ich die Befürchtung, dass die geplanten Reformen der neuen Bundesregierung zu kurz greifen, um die wirtschaftlichen Fehlentwicklungen seit den 80er und 90er Jahren zu korrigieren. Periskop: Herr Menninger: Bei Jugendlichen können z. B. die häufig fehlenden Voraussetzungen für eine Ausbildung erst geschaffen werden. Bei einem Teil der Jugendlichen führen die Sanktionsmöglichkeiten der Arbeitsgemeinschaften bei der Ablehnung einer MAE sicher dazu, dass sie früher ihre individuelle Chance auf Eingliederungshilfe in reguläre Ausbildung und Beschäftigung wahrnehmen. Periskop: Herr Menninger: Wenn es um den Erhalt oder die Vermittlung von beruflichen Qualifikationen geht, sind alle Bereiche geeignet, denn die Spannbreite der Qualifikationen und Berufserfahrungen bei den potentiellen MAE-Kräften sind sehr breit angelegt. Einsatzbereiche für MAE-Kräfte, die arbeitsorganisatorisch nahe am allgemeinen Arbeitsmarkt angesiedelt sind, bieten nach meiner Beobachtung eher die Chance auf Eingliederung. Bei der Fluktuation regulärer Beschäftigter haben dann die MAE-Kräfte eine Chance, deren Leistungsfähigkeit der Arbeitgeber bereits kennt. Solche positiven Beispiele haben wir z. B. im Pflegebereich. Periskop: Herr Menninger: Die Rahmenbedingungen für das Ehrenamt sind einfach anders gelagert. Wir raten unseren Mitgliedsorganisationen auch, beide Felder organisatorisch und strukturell zu trennen. Eine flächendeckende Studie der Uni Halle zum Stand des bürgerschaftlichen Engagements in unserem Landesverband vom Sommer diesen Jahres beschäftigte sich auch mit diesem Aspekt. Bei den Experteninterviews im Rahmen der Studie wurden die Befürchtungen der Verdrängung ebenfalls geäußert, praktische Belege dafür wurden jedoch nicht genannt. Sicher werden wir hier als Verband am Ball bleiben und die Entwicklung beobachten. Ich bleibe jedoch optimistisch, dass es keine Verdrängung geben wird. Mein Optimismus wird auch durch eine Studie unserer Paritätischen Akademie ebenfalls aus diesem Jahr gestützt, denn sie zeigt, dass das bürgerschaftliche Engagement in Berlin in den letzten Jahren deutlich über dem Bundesniveau zugenommen hat. Es gibt daher kein generelles Indiz für die Verdrängung des Ehrenamtes durch beschäftigungsgeförderte Arbeit. Periskop: Herr Menninger: Auch wenn die Studie nicht repräsentativ angelegt war, belegen die Ergebnisse, dass es keine Gefährdung bestehender Arbeitsplätze gibt. Im Schnitt kamen auf 10 Hauptamtliche etwa ein bis zwei MAE-Kräfte. Bei diesem Verhältnis sehe ich keine Gefahr für die Arbeitsplätze der Hauptamtlichen, sondern durch das Kriterium der Zusätzlichkeit eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit unserer Dienste, da sich die Hauptamtlichen auf ihre eigentliche Tätigkeit konzentrieren können. Auch das wurde durch die Studie bestätigt. Wir haben von Anfang an im Verband dafür geworben, die Schaffung von Arbeitsgelegenheiten breit anzugehen, damit die vielfältigen Möglichkeiten unter Berücksichtigung der Zusätzlichkeit genutzt werden können. Unsere Strategie ist aufgegangen, weil Träger als Vermittler zwischen den Arbeitsgemeinschaften und den Einsatzstellen auftreten. In der Regel sind es Beschäftigungsträger, die die Bündelung der Einsatzstellen übernehmen und den Vermittlungs- und Qualifikationsprozess organisieren. Periskop: Herr Menninger: Ebenso wird umfangreich qualifiziert und die Erwerbsfähigkeit der Langzeitarbeitslosen wiedererlangt oder gehalten. Dass wir am Ende damit keine dauerhaften Arbeitsplätze schaffen können, haben wir immer deutlich gemacht. Wie viel reguläre Arbeitsplätze wir schaffen können, hängt im Ergebnis von den Arbeitskosten und von der staatlich oder privat finanzierten Nachfrage nach sozialen Dienstleistungen ab. Periskop: |