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Periskop 2000 / 01
Interview |
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Interview
mit dem Bezirksstadtrat Herr Schippel, Abt. Wohnen, Soziales und Integration
Das Interview für Periskop führten Dorit Gade
und Farhad Sharafat Vaziri
Periskop:
Das Projekt IdA läuft jetzt seit mehr als einem Jahr.
Wie ist Ihre Einschätzung dazu?
Herr Schippel:
Die Frage bezieht sich offensichtlich in erster Linie auf
den Programmteil des Festkostenzuschusses nach § 19
BSHG, der vorrangig für junge Erwachsene bis 25 ausgelegt
ist. Er läuft relativ gut. Schwachstellen sind sicherlich
nachvollziehbar, zum Beispiel eine Abbrecherquote von 20
Prozent. Das ist ziemlich hoch. In der zweiten Phase wird
man eine Vorschaltmaßnahme einrichten müssen,
um damit die Probleme, die bislang aufgetaucht sind, auch
auszugleichen. Eine Überprüfung der Eigenmotivation
der Teilnehmer wird dort im Vordergrund stehen.
Periskop:
Was läßt sich zur Erfolgsquote sagen?
Herr Schippel:
Wenn die Abbrecherquote etwa bei 20 Prozent liegt, dürfte
die Erfolgsquote etwas höher liegen. Genaues kann ich
Ihnen allerdings dazu noch nicht sagen. Wir sind im Augenblick
dabei, mittels Controlling die Werte zu überprüfen.
Dies geschieht zusammen mit einer Gesellschaft, die speziell
dazu eine Software entwickelt hat. Zur Zeit geben wir die
entsprechenden Daten für Neukölln und Köpenick
ein, die beiden Testbezirke für dieses Controlling.
Wir rechnen mit echten Zahlen nicht vor Mai. Es bleibt noch
abzuklären, in wieweit die Daten auch aussagekräftig
sind. Wir hatten im Lenkungsausschluß dazu einige
Probleme gehabt. Wir wollten die gesamten Kennzahlen erheben,
aber dies rückwirkend für 1 ½ Jahre wäre
zu aufwendig gewesen. Dazu hätten wir 20 Personen einstellen
müssen, dies ist illusorisch. Wir haben uns deshalb
auf eine Auswahl von Kriterien verständigt.
Periskop:
Welche Erleichterungen beziehungsweise Probleme haben sich
aus der Sicht des Bezirksamtes durch IdA ergeben?
Herr Schippel:
Sehr viele Probleme haben wir eigentlich nicht. Es ist eher
zu einem gewissen Grade natürlich eine Erleichterung,
auch im finanziellen Bereich, durch die Vermittlung in den
1. und 2. Arbeitsmarkt. Wir werden zukünftig darauf
bestehen, daß eine sozialpädagogische Begleitung
und Betreuung gewährleistet wird.
Was verbessert werden kann, ist die Zusammenarbeit der unterschiedlichen
Stellen. Wir mußten feststellen, daß der Rücklauf
nicht so gut funktionierte. Beispielsweise erfahren wir
zu spät von Abbrechern.
Es gibt einige Vereine, die sich auf den Datenschutz berufen.
Wir wollen aber wissen, warum ein Hilfeempfänger abgebrochen
hat und unter welchen Voraussetzungen das geschehen ist.
Im Wesentlichen sind dies die Schwachpunkte, die man im
Laufe der Zeit noch abstellen müßte.
Periskop:
Wir wissen, daß in Ihrem Hause gewisse Probleme durch
IdA verursacht worden sind. Zum Beispiel existierten gewisse
Kommunikationsprobleme im Bezirksamt, bezogen auf die Zuweisung
der Teilnehmer. Viele Sachbearbeiter waren nicht rechtzeitig
informiert. Die Maßnahme kann aber bei der Servicegesellschaft
erst dann anfangen, wenn die Bestätigung für die
Sozialhilfeempfänger seitens des Bezirksamtes vorliegt.
Dies hat nicht reibungslos funktioniert?
Herr Schippel:
Das ist alles ein Gewöhnungsprozeß. Und manchmal
dauert dieser Gewöhnungsprozeß halt ein bißchen
länger.
Periskop:
Wie war die Zusammenarbeit mit den übrigen Beteiligten,
also Servicegesellschaften, Trägern und sonstigen?
Herr Schippel:
Ich muß dies noch mal wiederholen. Im Großen
und Ganzen relativ reibungslos. Ich denke, das wichtigste
dabei ist, daß man sehr engen Kontakt miteinander
hält. Ich betrachte das nicht als Schwierigkeiten oder
Probleme. Das gehört einfach mit zum Geschäft.
Sie haben Ihre Aufgabe und damit Ihre Einstellung zu den
Dingen, ich habe meine und meine Leute haben die ihrigen.
Das müssen wir versuchen, zusammen zu bringen, Im Laufe
der Gespräche stellte sich heraus, daß man dieses
oder jenes besser machen kann. Das einzige, was ich ein
wenig bei den Projektträgern einklage, ist die mangelnde
Transparenz von deren Seite.
Periskop:
Die Realität sieht anders aus. Spricht man mit dem
Bezirksamt wird man an die Servicegesellschaft verwiesen.
Das gleiche passiert auch umgekehrt. Wäre es nicht
sinnvoll, eine regelmäßige Runde mit allen Beteiligten
einzuberufen, um die Erfahrungen dort auszutauschen?
Herr Schippel:
Das habe ich doch gerade formuliert.
Periskop:
Wer kann das vorantreiben? Als Träger kann man höchstens
den Wunsch äußern.
Herr Schippel:
Sie äußern den Wunsch, gut. Mit den Kollegen,
die dafür verantwortlich sind und auch mit einigen
Trägern, mit denen ich mittlerweile gesprochen habe,
ist das auch schon verabredet. Ob wir alle Träger an
einen Tisch holen oder ob wir mit jedem Träger einzeln
reden, weiß ich noch nicht.
Periskop:
Die Öffentlichkeitsarbeit zum Projekt IdA ist nicht
besonders intensiv. Sollte dies verstärkt werden und
wenn ja, in welcher Form?
Herr Schippel:
Wir müssen da mal unterscheiden. Wenn ich über
Öffentlichkeitsarbeit rede, dann meine ich, die normalen
Medien. Dafür würde ich sagen, ist es relativ
uninteressant. Reden wir mal über Fachöffentlichkeit,
da könnte ich mir schon vorstellen, daß da mehr
an Öffentlichkeitsarbeit getan werden könnte.
Ich denke, Öffentlichkeitsarbeit in erster Linie, damit
sie auch da ankommt, wo sie hingehört, muß man
über Veranstaltungen speziell zu IdA, wie es in Ihrem
Hause geplant ist, transportieren. Und über Gesprächsrunden.
Periskop:
Viele Leute behaupten, IdA ist nur dazu da, die Leute von
dem Fördertopf Sozialhilfe zum Fördertopf Bundesanstalt
für Arbeit umzuschichten. Wie könnten wir dieses
Mißverständnis aus dem Weg räumen?
Herr Schippel:
Ich sehe das etwas anders. Selbst wenn nur 2 Prozent in
Lohn und Brot gekommen sind, ist es ein Erfolg. Im Höchstfalle
muß man mal überlegen, ob das ganze Programm
nicht vielleicht neu gestaltet werden sollte.
Periskop:
Die Träger werden in der Regel nach Vermittlungsquoten
beurteilt, die häufig nicht sehr hoch sind. Und dennoch
passiert in den Maßnahmen sehr viel mit den Teilnehmern,
was aber nicht bewertet wird. Man müßte hierfür
neu Qualitätskriterien definieren.
Herr Schippel:
Diese können wir nur gemeinsam erarbeiten. Dadurch
könnten wir auch erfahren, ob der Träger überhaupt
derjenige ist, die Kriterien zu erfüllen.
Periskop:
Welche Perspektiven sehen Sie bei IdA? Handelt es sich um
ein Modellprojekt auf 2 Jahre oder um ein langfristiges
Programm?
Herr Schippel:
Der Ansatz ist gut und er muß weiter verfolgt werden.
Wir müssen die Anfangsschwierigkeiten abbauen. Wie
wir ja festgestellt haben, gibt es einige Dinge zu verändern.
Wenn wir nachweisen können, daß wir Erfolg haben,
daß wir Leute in Arbeit bringen und wir unter dem
Strich auch Geld damit sparen, dann sollte es eigentlich
auch weiter laufen.
Periskop:
Wir bedanken uns für das Gespräch.